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03.11.2009

CfP "Repräsentationsformen von Wissen" - XXVI. Forum Junge Romanistik

  • Ort: Bochum
  • Beginn: 26.05.10
  • Ende: 29.05.10
  • Disziplinen: Literaturwissenschaft, Sprachwissenschaft, Medien-/Kulturwissenschaft, Didaktik
  • Sprachen: Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Weitere romanische Sprachen

Das XXVI. Forum Junge Romanistik, das vom 26.-29. Mai 2010 an der Ruhr-Universität Bochum ausgerichtet wird, widmet sich dem Thema „Repräsentationsformen von Wissen“. Wir gehen dabei von der Überlegung aus, dass die Darstellung die Inhalte des Wissens nicht nur mimetisch abbildet, sondern mit hervorbringt und begreifbar macht. So sind Repräsentationen immer an bestimmte Formen gebunden, d.h. an konkrete Medien, Muster, Verfahren und Praktiken, in denen sie Gestalt annehmen. Unter Repräsentationsformen verstehen wir in diesem Sinne alle symbolischen, sprachlichen, zeichenhaften Verfahren, die für den Akt des Wissens und Erkennens konstitutiv sind. Darunter fallen z.B. Texte, Bilder und Symbole, aber auch Diagramme, Graphiken und Computeranimationen, die durch ihren jeweiligen epistemologischen Kontext geprägt sind. Wissen unterliegt damit immer historisch kontingenten Darstellungsmodalitäten.

 

Das Thema des Forums beschäftigt sich folglich mit einem Gegenstand, der in alle Teilbereiche der philologischen Arbeit hereinreicht. Ob in der Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaft oder in der Fachdidaktik haben wir es als Philologinnen und Philologen immer zuerst mit Formen von Repräsentation zu tun. Die geplante Tagung stellt sich der Frage, welches Wissen auf welche Art und Weise in Sprache und Literatur verhandelt und übermittelt wird. Wir gehen davon aus, dass anerkanntes Wissen und bestehende Wissensformen immer bereits konstruiert sind und sich in verschiedenen historischen Zusammenhängen stets neu konfigurieren.

 

Dabei umfasst der Begriff der Repräsentation ein vielschichtiges Bedeutungsfeld und erlaubt sehr unterschiedliche thematische Anschlussmöglichkeiten, insofern er sowohl den Akt der Darstellung als auch ihr Erzeugnis bezeichnet. Die Repräsentation umfasst in gleicher Weise die Aspekte der Mimesis und der Poiesis sowie Aspekte der Stellvertreterschaft, der Vergegenwärtigung und Erinnerung („Re-Präsentation“). Überdies lässt sich hieran das Verhältnis von Text, Literatur, Sprache und Sprecher zur außersprachlichen Wirklichkeit diskutieren.

 

Konkret kann es in den Literatur- und Kulturwissenschaften um die vielfältigen Transferprozesse zwischen Literatur und Wissenschaft gehen, d.h. einerseits um den thematischen Rekurs auf Wissens- und Wissenschaftsphänomene, andererseits um deren Konterkarierung und Subvertierung mit literarischen Mitteln. Aus linguistischer Perspektive sind Fragestellungen zu semiotischen Ansätzen und dem Symbolcharakter des sprachlichen Zeichens an sich denkbar, Auseinandersetzungen mit Enzyklopädie, Lexikographie und anderen Formen der Archivierung und Anordnung von Wissen. Die gesetzte Thematik schließt auch stark praxisbezogene Herangehensweisen aus dem Bereich der Didaktik mit ein, da die Frage nach der geeigneten Wissensvermittlung methodische Reflexionen über prägnante, reduzierende oder auch normierende Formen der Darstellung nach sich zieht. Das erkenntnisgenerierende Potenzial von Sprache und Symbolsystemen schließlich bildet einen Anknüpfungspunkt für sämtliche Teilbereiche.

 

Neben Themenvorschlägen aus allen Bereichen der romanischen Philologien sind auch komparatistische oder medienwissenschaftliche Ansätze willkommen.

 

Als bloße Anregung seien folgende Untersuchungsfelder genannt:

 

Literatur- und Kulturwissenschaft

 

– Motivische Verflechtungen von Literatur und Wissenschaft: die Figur des Wissenschaftlers / des wissenschaftlichen Genies / des Technikers / Bastlers / Ingenieurs in literarischen Texten; die Darstellung von Maschinen, Geräten, Automaten; der Wissenschaftler als Literat; schreibende Wissenschaftler

– Narrativierung von Wissen: der Transfer wissenschaftlicher Darstellungsstrategien in den Roman und die Übernahme literarischer Narrationsverfahren in Fachtexte: Versuchs- / Beobachtungsanordnungen / Gedankenexperimente

– Die epistemologische Funktion von Literatur; Literatur und Selbstreflexivität

– Erinnerung und Archivierung von Wissen, (An-)Ordnung / Strukturierung von Wissen: die Darstellung von Enzyklopädien, Katalogen, Computern

– Orte / Räume des Wissens: Museen, Archive, Bibliotheken, Kuriositätenkabinette, Krankenhäuser, Gärten

– Darstellungen von Forschungs- / Bildungsreisen (Zeitreisen, Mond- / Sonnenreisen)

– Darstellung von Wissen in Science-fiction-Romanen

– Auseinandersetzung von Imagination und Repräsentation: Chimären, Monster, hybride Wesen als Vermittler von Wissen

– Allegorien des Erkennens: Reisen, Suchen, Schreiben

– Performance / Inszenierung / Theatralität / Travestie: der performative, theatrale, inszenatorische, spektakuläre Charakter der Wissensgewinnung

– Repräsentation und Macht: diskursive vs. politische Stellvertreterschaft (Postcolonial & Gender Studies)

 

Sprachwissenschaft

 

– Symbolcharakter sprachlicher Zeichen und ihrer Funktionen als Repräsentanten von Sprach- und Weltwissen: Zeichenmodelle (Saussure, Ogden / Richards, Bühler, Jakobson) und ihre Anwendbarkeit in aktuellen sprachwissenschaftlichen Diskursen

– Figurativität und die Funktion tradierter rhetorischer Mittel als Vermittler epochenspezifischen Welt- und Sprachwissens

– Wörterbücher und Enzyklopädien: Repräsentation, An-Ordnung, Hierarchisierung und Generierung von Welt- und Sprachwissen

– Text- und Diskurstraditionen der romanischen Einzelsprachen als Spiegel der Wissensvermittlung

– Übersetzungswissenschaft: inter- und intrasprachliche Transferprozesse (z.B. idiomatischer Wendungen); Entlehnungsprozesse fachsprachlicher bzw. diskursspezifischer Wendungen und Wörter als Wissenstransfer im Wortschatz der romanischen Einzelsprachen

– Struktur und Semantik von Fachsprachen: Repräsentation des Wissens der einzelnen Forschungs- und Wissensbereiche im fachsprachlichen Diskurs

– Sprachnormierungsprozesse und Sprachpolitik in den romanischen Ländern: Sinnbilder und Repräsentationen von Ideologie, Staatsmacht und Politik

– Kognitive Linguistik und Psycholinguistik: Anordnung und Repräsentation der Sprache und des Sprachwissens beim Sprecher

– Soziolinguistik: Die Sprache der Anderen – Sprechergemeinschaften und das Verhältnis zwischen National- und Regionalsprachen bzw. Minderheitensprachen sowie extraterritorialen Varietäten; Repräsentationen und Sprachstereotype als Einflussgrößen der Sprach- und Sprecherwahrnehmung; Norm- und Idealvorstellungen von Sprache und deren Spuren im Sprachgebrauch ein- und zweisprachiger Sprecher

 

Fachdidaktik

 

– Die Darstellungsabhängigkeit von Wissensvermittlung; der Wandel von Darstellungsweisen im Fremdsprachenunterricht der romanischen Sprachen

– Bildungsrelevante Inhalte im Fremdsprachenunterricht

– Auswahl von geeigneten Gegenständen mit fremdsprachendidaktischem Potenzial

– Der Einsatz von Medien

– Wie wird Sprachwissen zu Sprachkönnen? Grammatikunterricht und Kommunikative Kompetenz

– Sprachliche Repräsentationsformen: Metaphorik, Idiomatik, etc.

– Literarizität und Fiktionalität: Auseinandersetzung mit literarischen Darstellungsformen im Fremdsprachenunterricht

– Überlegungen zu impliziter Wissensvermittlung durch Methoden des handlungs- und produktionsorientierten Unterrichts; kreative Verfahren und Wissensvermittlung

– Wissen über fremde und eigene Kulturen im Spannungsfeld von Interkulturalität und Transkulturalität

– Standard oder Varietät(en): Zur Vermittlung von bestimmtem Sprachwissen im Fremdspracheunterricht

 

Abstracts im Umfang von max. 300 Wörtern sowie Vortragstitel, Kontaktdaten und eine kurze Biobibliographie sind erbeten bis zum 15. Januar 2010 an fjr2010@rub.de. Vortragssprachen sind Deutsch und die romanischen Sprachen. Wir freuen uns auf zahlreiche Beiträge!

Weitere Informationen und aktuelle Mitteilungen finden Sie in Kürze unter

www.rub.de/fjr2010

 

Von:  Annika Nickenig

Publiziert von: Kai Nonnenmacher