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24.06.2010

CfP: Das Jenseits der empirischen Wissenschaft. Die Literatur und der Reisebericht im 18. Jahrhundert und um 1800

  • Ort: Lausanne
  • Beginn: 26.05.11
  • Ende: 28.05.11
  • Disziplinen: Literaturwissenschaft, Medien-/Kulturwissenschaft, Weitere Teilbereiche
  • Sprachen: Französisch, Sprachenübergreifend
  • Frist: 01.10.10

CFP: Das Jenseits der empirischen Wissenschaft. Die Literatur und der Reisebericht im 18. Jahrhundert und um 1800

 

 

Frist: 01.10.2010

 

Exposé / Call for papers:

 

Das Jenseits der empirischen Wissenschaft

Die Literatur und der Reisebericht im 18. Jahrhundert und um 1800

 

Internationale Tagung, Université de Lausanne, 26.-28. Mai 2011

Organisation: Markus Winkler, Maximilian Bergengruen (beide Genf) und

Francois Rosset (Lausanne)

 

Daniel Kehlmann glückte 2005 mit seinem Roman Die Vermessung der Welt

ein maßgeblicher Welterfolg. Sein Thema war, neben dem Herausarbeiten

der komischen Schattenseite des entdeckerischen Ernstes, die

überraschende Gleichförmigkeit von äußerster Empirie und innerstem

Intellekt bei der Vermessung der Welt im ausgehenden 18. und frühen 19.

Jahrhundert.

 

In gewissem Sinne übergeht Kehlmann bei seiner kühnen Engführung von

Geografie und Mathematik einen Zwischenschritt, der im vorliegenden

Tagungsprojekt sichtbar gemacht werden soll: die empirische Wissenschaft

auf heimischem Boden. Denn die Vermessung der Fremde, in vielen Fällen:

der außereuropäischen Welt, steht nicht nur in einem Konkurrenz- und

Koinzidenzverhältnis zur mathematischen, sondern auch zur empirischen

Wissenschaft, die das eigene Land bzw. den eigenen Kontinent wie

selbstverständlich absolut gesetzt hat: ein Agon zwischen der Erkundung

des "lebendigen Detail[s]" in der Fremde und der "todte[n] papierne[n]"

Fachwissenschaft zuhause (Hölderlin). Widmet man sich diesem intrikaten Wechselverhältnis, entstehen eine Reihe von Fragen: Wie steht jene Form der Erfahrungswissenschaft, die ihre Versuche, Vermessungen und Beobachtungen auf heimischen Boden macht, zu denjenigen Forschern, welche die Grenzen des Landes oder Europas überschreiten? Oder andersherum gefragt: Können diejenigen Studien, die jenseits der Heimat gemacht werden, einen blinden Fleck der Wissenschaft sichtbar machen, die von der ganzen Natur, vom ganzen Menschen sprach, aber die eigene Natur und den hiesigen Menschen meinte? Wie manifestiert sich in der entstehenden Wissenschaft vom Menschen (Anthropologie und Ethnologie) die Spannung zwischen dem sprunghaft wachsenden Wissen von außereuropäischen Ethnien und den traditionellen, eurozentrisch geprägten Ansichten vom Menschen? Kann also die Erfahrungswissenschaft, die sich das geografische Jenseits als Ort wählt, ein Jenseits der einheimischen Empirie markieren?

 

Auf der Tagung soll herausgearbeitet werden, wie die Erfahrungen, die

Reisende in jenem geographischen Jenseits machten, das Wissen von der

Natur und vom Menschen und dessen literarische Verfasstheit veränderten.

Zu denken ist etwa an die Missionsreisen von Joseph François Lafitau

(Amerika), Martin Dobrizhoffer (Amerika) oder David Cranz (Grönland) und

an Forschungsreisen wie die von Engelbert Kämpfer (Ostasien), Ernst

Christoph Barchewitz (Indien), John Byron (Südsee), Bougainville

(Südsee), Reinhold und Johann Georg Forster (Südsee), Carsten Niebuhr

(Orient), Volney (Orient, USA), Alexander von Humboldt (Amerika),

François Levaillant (Südafrika), Mungo Park (Zentralafrika), aber auch

Johann Gottfried Edel (Schweizer Alpen), Ramon de Carbonières

(Pyrenäen), Horace-Bénédict de Saussure (Alpen) und Jean Potocki

(Niedersachsen, Kaukasus, Marokko). Auf welche Weise reagieren

passionierte Leser von Reisebeschreibungen wie Jean-Jacques Rousseau,

Denis Diderot, Immanuel Kant, Johann Friedrich Blumenbach, Johann

Gottfried Herder, Friedrich Hölderlin, Lord Byron oder Benjamin Constant

in ihren Texten auf das neue Wissen? Gibt es Auswirkungen auf die

teleologische Reiseliteratur der Romantik? Kann der Reiseroman in diesem

Bereich des vielleicht abgesteckten, keineswegs jedoch gefestigten

Wissens eine eigene Position finden? Greifen die literarischen Autoren

die Horizonterweiterung der wissenschaftlichen Reiseberichte auf oder

versuchen sie mit allen Mitteln, das aufscheinende epistemische Jenseits

zu unterdrücken?

 

Diesen Fragen soll auf einer internationalen Fachtagung, die

insbesondere die historischen Forschungstätigkeiten und die Literatur im

deutsch-, französisch- und englischsprachigen Raum des 18. und (sehr)

frühen 19. Jahrhunderts (inklusive wechselseitiger Verflechtungen) in

den Blick nimmt, diskutiert werden. Vorgesehen sind etwa achtzehn

dreißigminütige Vorträge in deutscher, französischer und englischer

Sprache.

 

Bitte senden Sie bei Interesse ein Exposé von einer halben, maximal

einer Seite bis zum 1. Oktober 2010 an Antonia.Eder@unige.ch.

 

 

Antonia Eder

Boulevard des Philosophes 12

CH-1204 Genève

+41(0)22 379 72 54

antonia.eder@unige.ch

www.unige.ch/lettres/alman/index.html

Von:  Antonia Eder

Publiziert von: Barbara Ventarola