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26.05.2013

CfP: „Umbriferi prefazi“. Die Wiederentdeckung des Schattens in Mittelalter und Renaissance

  • Ort: Göttingen
  • Beginn: 03.07.14
  • Ende: 05.07.14
  • Disziplinen: Literaturwissenschaft, Medien-/Kulturwissenschaft
  • Sprachen: Sprachenübergreifend
  • Frist: 15.07.13

„Das Licht bekundet und erweist sich erst in dem Schatten, den es wirft.“ (Ernst Cassirer) – „Im rechten Licht betrachtet, erweist sich der Schatten als großartiges Werkzeug der Erkenntnis.“ (Roberto Casati)

 

Anders als in der bisherigen kulturwissenschaftlich ausgerichteten Forschung zum Phänomen des Schattens, deren Interesse vor allem auf die Epochen der Antike und der Romantik konzentriert ist, steht bei dem geplanten interdisziplinären Kolloquium der Zeitraum vom 12. bis zum 16. Jahrhundert und damit der Übergang vom Mittelalter zur Renaissance bzw. zur Frühen Neuzeit im Mittelpunkt. Ausgangspunkt ist die Hypothese, dass es in Mittelalter und Renaissance einen eigenen, zeitspezifischen Umgang mit dem Schatten sowohl als Phänomen als auch als Motiv, Symbol oder Metapher gibt, bei dem die aus der Antike ererbten Vorgaben und Deutungslinien jeweils charakteristisch ausgestaltet oder auch anders akzentuiert werden. Wir vermuten, dass sich dieser Umgang in etwa gleichzeitig in den Künsten und Wissenschaften ausgebildet hat – besonders pointiert z. B. im Italien des 14. Jahrhunderts, wo die Schatten parallel in Dantes Göttlicher Komödie und in Giottos Malerei Einzug in die Vorstellungswelt halten. Die Wiederentdeckung des Schattens lässt sich aber ebenso gut an weniger epochemachenden Beispielen verfolgen, wo Schatten eine – auf den ersten Blick? – nur marginale Rolle spielen, etwa in den höfischen Romanen des Hochmittelalters (Tristan, arthurischer Roman), oder zu anderen Phänomenen der Sichtbarkeit in Beziehung gesetzt werden, z. B. zu Farben oder Spiegelungen (Lai de l’ombre, Heinrichs von Morungen ‚Narziß-Lied‘).

Die Formen und Funktionen des kulturellen Umgangs mit dem Schatten sollen an literarischen und wissenschaftlichen Texten sowie an Werken der bildenden Kunst analysiert werden. Dabei soll auch die Verankerung des Schattens in Vorstellungen des Volksglaubens mitbeachtet werden. Ein Ziel ist, das Wortfeld ‚Schatten‘ und seine ‚Instrumentalisierung‘ zu literarischen, poetologischen und wissenschaftlichen Zwecken in den verschiedenen westlichen Sprachen auszuloten. Darüber hinaus soll die Thematik des Schattens als Beispiel dienen, generell über den Umgang mit Visualität in Sprache und Bild nachzudenken.

Die ganze Breite der Umgangs- und Erscheinungsformen des Schattens soll ausgeschöpft werden:

- Wie wird mit der physikalischen Gestalt des Schattens, den Menschen und Gegenstände werfen, umgegangen?

- Wie wird von diesem physikalischen Schatten erzählt? Wie wird er abgebildet?

- Welche Formen des metaphorischen Gebrauchs können beobachtet werden?

- Wie hängen Licht, Schatten und Dunkelheit zusammen? Welche Rolle spielt der Schatten in Bezug auf Farben?

- Wie wird mit dem antiken ‚Erbe‘ (Seelenschatten, Platons Höhlengleichnis, ...) umgegangen?

 

Wir wollen Wissenschaftler_Innen verschiedener geistes- und kulturwissenschaftlicher Disziplinen (Kunstgeschichte, Sprach- und Literaturwissenschaft, Wissenschafts-, Ideen- und Philosophiegeschichte, ...) einladen, gemeinsam in den Räumen des Göttinger Lichtenberg-Kollegs über den spezifischen Umgang mit dem Thema Schatten sowie über dessen Entwicklung vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit nachzudenken.

Vorschläge für 20-30-minütige Referate, gerne auch von Nachwuchswissenschaftler_Innen, werden bis zum 15. Juli 2013 zusammen mit einem kurzen Abstract (max. 1. Seite) und einer Kurzbiographie per E-Mail an Schattentagung@gmx.de erbeten.

 

Veranstalter:

Prof. Dr. Franziska Meier (Göttingen)

Dr. Björn Reich (HU Berlin)

Christoph Schanze (Gießen)

 

Von:  Christoph Schanze

Publiziert von: RZ